2/5 – Ist Low Carb gesund?

Welche Nebenwirkungen bzw. Mangelerscheinungen kann man bei Low Carb haben?

Die Frage nach potentiellen Mangelerscheinungen ist eine der häufigsten Fragen rund um Low Carb. Es gibt auch bei Low Carb verschiedene Variationen. Nicht alle davon sind unbedingt zu empfehlen.

Du kannst mit praktisch jeder Ernährung eine Mangelerscheinung haben, je nachdem, wie einseitig Du sie gestaltest und ob es sich um echte Lebensmittel oder um künstliche Produkte handelt. Low Carb, wenn es korrekt durchgeführt wird, wird Dir im Normalfall alle wichtigen Nährstoffe zur Verfügung stellen. Dazu gibt es auch Studien, wie z.B. diese hier.

(Ich nehme an, dass Du gesund bist und keinen Bedarf an speziellen Nährstoffen in höherer Menge hast, die Du Dir dann vielleicht durch ein hochwertiges Ergänzungsmittel* zu Dir nehmen musst.)

Weil Die Frage nach den Wirkungen einer Low Carb Ernährung natürlich sehr häufig aufkommt und auch wichtig ist, habe ich mir die Mühe gemacht, eine Liste mit Low Carb Studien zu erstellen.

Gibt es bei Low Carb ein Problem mit Cholesterin (wegen dem vergleichsweise vielen Fleisch, Eier usw.)?

Ich nehme an, dass Du gesund bist und es bei Dir keinen besonderen Anlass gibt, Deine Cholesterinwerte ständig zu beobachten.

Genauso, wie es beim Thema Low Carb eine Abkehr vom althergebrachten Wissen (rund um die altbekannte Ernährungspyramide) gibt, so gibt es auch beim Thema Cholesterin mittlerweile einige Zweifel, was denn nun ein gutes oder ein schlechtes Maß an Cholesterin ist.

Ist ein erhöhter Cholesterinwert wirklich ausschlaggebend für gesundheitliche Gefährdung, wie es lange hieß…? Es gibt zumindest so manche Zweifel, die hier laut werden. Wenn Du des Englischen mächtig bist, empfehle ich Dir als kleine Auswahl diese Beiträge hier, hier, hier oder hier. Einen interessanten und ausführlichen Beitrag in Deutsch findest Du hier.

Ist die meist erhöhte Fettzufuhr bei Low Carb Diäten nicht schädlich?

Die Angst vor Fett ist allgegenwärtig.

Man weiß mittlerweile gar nicht mehr, was zuerst da war: die möglichst fettfreien Produkte oder die Angst vor dem Fett. Als sicher darf mittlerweile angenommen werden, dass beim Thema Fett nicht alles so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird. Das trifft vor allem dann zu, wenn wir die Fette in minderwertige und hochwertige Fette unterscheiden.

Fett macht also nicht automatisch fett, oder krank.

Mittlerweile gibt es einige Studien, die auf die Vorteile einer Ernährung mit einem erhöhten Fettanteil eingehen. Die Ergebnisse einer sehr großen, neu veröffentlichten Studie, die in der August 2017-Ausgabe von The Lancet erschienen, legen nahe, dass eine fettreiche Ernährung mehr Schutz vor einem erhöhten Sterberisiko bietet als eine, die weniger Fett enthält.

Weitere (gesundheitliche) Vorteile, die mit einem erhöhten Anteil an hochwertigen Fetten einhergehen können:

  • kann bei Krankheiten helfen und Langlebigkeit fördern (Quelle)
  • hilfreich für die kognitive/neurologische Gesundheit (Quelle)
  • wichtig für die hormonelle Balance & Fortpflanzung (Quelle)

Kohlenhydrate, speziell Nudeln und Brot, gehören traditionell zu einer „gesunden und ausgewogenen“ Ernährung. Wie kann deren weitgehender Wegfall psychologisch klug kompensiert werden?

Hier ist unbedingt ein Umdenken notwendig.

Es gibt einen guten Grund, warum manche Institutionen wie die Harvard Universität die alte Ernährungspyramide überarbeitet haben. Sie unterscheidet sich merklich von der alten Ernährungspyramide, die man uns über die letzten Jahrzehnte eingetrichtert hat.

Die alte Ernährungspyramide, in der die Kohlenhydrate die Basis einer gesunden Ernährung darstellen sollen, ist das Relikt einer Zeit, in der u.a. ein gewisser Wissenschaftler darauf erpicht war, seine Theorie unbedingt durchzusetzen. Leider, denn es hatte Auswirkungen ungeahnten Ausmaßes.

Das zu akzeptieren und offen für neue Informationen zu sein, vor allem wenn diese auch mehr und mehr durch (Low Carb) Studien gedeckt werden, ist also schon ein wichtiger Schritt.

Heute befinden wir uns in der Zwickmühle, dass wir diese Informationen, die man uns seit Jahrzehnten eintrichtert, ausblenden und offen für neue Erkenntnisse sind, das sich in den letzten Jahren immer mehr durchsetzt. Auf der anderen Seite haben wir Nudeln, Brot usw. natürlich auch lieben gelernt.

Es ist wichtig, dass wir nun nicht ins andere Extrem verfallen und alles, was aus Getreide hergestellt ist, verteufeln (wie das ja z.B. von den Anhängern der Paläo-Ernährung getan wird). Vielmehr geht es darum, eine Balance zu finden. Also eine Balance, mit der sich jeder Einzelne wohl fühlt, weil sie dazu beiträgt, die Gesundheit zu fördern und auch abzunehmen bzw. schlank zu halten. (Ernährung sollte keine Religion werden.)

Low Carb kann das leisten, und zwar ohne Hungern, ohne dauerhaften Verzicht, ohne exotische Lebensmittel, etc. Dies vor allem dann, wenn es sich um eine vernünftige Version von Low Carb handelt.

Auch musst Du bedenken, dass ein „weitgehender Wegfall“ nur während der Abnehmphase gegeben ist. Und zu guter Letzt musst Du auch während der Abnehmphase nicht komplett auf gewisse Nahrungsmittel verzichten, die zwar beliebt sind, aber letztlich nicht gerade dazu beitragen, dass Du abnimmst.

Ist Low Carb, High Fat (LCHF) auch als Dauerernährung empfehlenswert?

Ja! Vor allem dann, wenn wir tatsächlich von Low Carb, High Fat (LCHF) spreche, also einer Ernährung, die vergleichsweise arm an Kohlenhydraten und reich an hochwertigen Fetten ist.

Wenn wir von einer dauerhaften Ernährung sprechen, dann müssen folgende Anforderungen erfüllt sein:

  • ausreichende Versorgung mit den notwendigen Nährstoffen, um eine Unterversorgung zu vermeiden
  • sie muss uns helfen, abzunehmen bzw. schlank und gesund zu bleiben
  • alltagstauglich
  • abwechslungsreich
  • einfach in der Zubereitung
  • weitestgehend alltägliche Lebensmittel
  • auch für den normalen Geldbeutel
  • ohne dauerhaften Verzicht

Das ist, in aller Kürze, das wofür LCHF steht.

Es bedarf aber auf unserer Seite einer offenen Einstellung gegenüber diesen anscheinend neuen Ernährungsratschlägen. Anscheinend neu deshalb, weil diese Art der Ernährung genau genommen alles andere als neu ist. Vielmehr bewegt man sich damit eher zurück zu den Anfängen, also hin zu einer Ernährung, wie der Mensch sie zu sich nahm, bevor Fertigprodukte und Fast Food Einzug in unseren Alltag gehalten haben. Und ich denke, das kan per se nicht schlecht sein.

Zu einer alltagstauglichen, dauerhaften Ernährung gehört aber auch, dass es OK ist, zu ‚Sündigen‘. Wir werden nicht krank oder dick, in dem wir ein paar Mal pro Woche Nudeln, Süßigkeiten, usw. essen. Das Problem liegt in der Menge, die wir zu uns nehmen, und zwar in der Regel täglich.

Du musst nicht perfekt sein bei Deiner Ernährung. Mache einfach den Großteil richtig, anstatt falsch, und Du wirst auf einem sehr guten Weg sein.

Rückmeldung einer Leserin (Auswirkungen bei Low Carb variieren)

Ist die Low Carb Ernährung ohne Kohlenhydrate gesund?

Vorsicht!

Es geht hier nicht darum, dass Du bei Low Carb „ohne Kohlenhydrate“ leben sollst. Das ist eine leider häufig gemachte Annahme. Aber deswegen wird sie nicht richtig.

Leider tragen auch Webseiten, Kochbücher, usw. dazu bei, dass die Verwirrung hier größer statt kleiner wird. Denn überall ist von Rezepten „ohne“ Kohlenhydrate usw. zu lesen. Was soll der Leser da anderes glauben, als dass es sich hier wirklich um Null Kohlenhydrate handelt? Das ist aber komplett falsch!

Es geht also nicht darum, buchstäblich ohne Kohlenhydrate zu leben. Es geht darum, die heutzutage enorme Menge an Kohlenhydraten vergleichsweise stark zu reduzieren.

Da aber natürlich die Bandbreite an Gemüse bei einer ausgewogenen Ernährung eine wichtige Rolle spielt, um eine Versorgung mit wichtigen Nährstoffen* sicherzustellen, können wir hier schon gar nicht mehr von ohne Kohlenhydrate sprechen. Denn Gemüse hat natürlich Kohlenhydrate. Im Vergleich zu den Kohlenhydraten in Zucker handelt und anderen Nahrungsmitteln mit vielen Kohlenhydraten handelt es sich hier aber um gute Kohlenhydrate.

Außerdem muss man hier wohl unterscheiden in gesund halten und gesund machen. Dass eine Ernährung krank machen kann, dürfte wenig umstritten sein. Inwiefern eine Ernährung auch gesund machen kann ist eine andere Frage.

Low Carb Studien belegen den gesundheitlichen Wert einer Ernährung, bei der die Menge der täglich zugeführten Kohlenhydrate reduziert wird. Wenn dann auch noch der Anteil an hochwertigen Fetten wieder erhöht und auch auf eine ausreichende Menge an Eiweiß geachtet wird, ist anzunehmen, dass eine solche Ernährung in der Tat zumindest nicht schädlich ist.

Du solltest LCHF aber nicht als Freifahrtschein sehen, um Fett- und Eiweißgelage abzuhalten!

Wie sieht es aus mit dem Abnehmen bei Einnahme von bestimmten Medikamenten?

Es kann durchaus sein, dass eine gewisse Ernährung wie Low Carb, High Fat nicht vereinbar ist mit der gesundheitlichen Situation einer Person.

Es ist hier immer ratsam, eine Ernährungsumstellung in so einer Situation mit einem kompetenten Arzt zu besprechen, also jemand, der sich sowohl mit der Krankheit als auch mit den Auswirkungen von Ernährung auskennt. Ein Beispiel hier wäre Frau Prof. Ulrike Kämmerer, ihres Zeichens ausgewiesene Expertin für Krebs und gleichzeitig auch für die ketogene Ernährung als zusätzliche Therapie bei Krebs.

Ich bin kein Arzt und maße es mir nicht an, schlauer als ein fachkundiger Arzt zu sein. Deswegen geht es bei meinen Informationen hier ausschließlich um Low Carb als Ernährung, die man langfristig anwenden kann und bei der es um das abnehmen und schlank bleiben aus ästhetischen Gründen geht, nicht um gesundheitliche – auch wenn ich fest davon überzeugt bin, dass Low Carb, so wie ich es bevorzuge und empfehle, auch gesund ist. Aber das ist keine wissenschaftliche Meinung. Ich vertraue hier auf meine eigenen Erfahrungen, auf die vielen Erfolgsgeschichten weltweit und auf Low Carb Studien, die auch für die gesundheitlichen Vorteile von Low Carb sprechen.

Ist Low Carb für Diabetiker geeignet?

Basierend auf der Studienlage zu Low Carb kann man wohl davon ausgehen, dass eine Low Carb Ernährung auch bei Diabetes sehr hilfreich sein kann (beispielhafte Studien: 1, 2). Allerdings muss darauf geachtet werden, dass die verabreichten Medikamente dann an die neue Situation angepasst werden.

Dies ist aber nicht als ärztlicher Ratschlag anzusehen. Wie in der letzten Antwort schon erwähnt: Hier gilt es, sich einen fachkundigen Arzt zu suchen, der sowohl Kompetenzen beim Thema Diabetes als auch mit dem Thema (Low Carb) Ernährung hat. Vielleicht hilft Dir diese Liste weiter, um einen entsprechenden Arzt in Deiner Nähe zu finden.

Ich würde es mir für Dich als Diabetiker sehr wünschen, dass Du mit Low Carb Deine Medikamente signifikant reduzieren oder um Idealfall sogar komplett absetzen kannst.


Soweit die generellen Antworten zur Frage, ob Low Carb gesund ist.

Als nächstes widme ich mich den Leserfragen, wie Low Carb wirkt, also z.B. warum es so erfolgreich ist, wenn Du abnehmen willst und/oder generell eine langfristige, nachhaltige Ernährung suchst, statt einer (Crash-) Diät, die letztlich nur in Frust und einem Jojo-Effekt endet.

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